Wir stehen mit keiner pharmazeutischen Firma in vertraglicher Beziehung, auch gibt es keinerlei Gründe für Gefälligkeiten (weil z.B. ein Arzneimittel früher gegen Entgelt klinisch geprüft wurde). Die Nennung von Präparaten, die mit ® gekennzeichnet sind, erfolgt also nicht in Werbeabsicht, sondern weil selbst bei Ärzten oft der Handelsname bekannter als der jeweilige Wirkstoff ist. Daß auch noch andere Arzneimittel mit dem gleichen Wirkstoff auf dem Markt sind, ergibt sich aus dem Zusatz "z.B.". Sollte sich eine Firma benachteiligt fühlen, weil ihr Mittel nicht erwähnt wird, so fügen wir dieses auf Wunsch gerne ein, E-Mail reicht aus!
Ein Lokalanästhetikum ist ein Mittel
zur örtlichen Betäubung und darf nicht mit den "Betäubungsmitteln" wie z.B.
Opium oder Heroin verwechselt werden. Ein Lokalanästhetikum macht auch
niemals süchtig.
Das Lokalanästhetikum wirkt lediglich auf die die Nervenzelle, indem es die
Zellmembran (=
biologischer Strukturen mit abschließender, begrenzender oder trennender
Funktion) stabilisiert und damit die
Depolarisation (=
Verminderung oder Aufhebung der Spannung an der Trennschicht)
erschweren bzw. verhindert und somit u.a. die
Weiterleitung eines Schmerzreizes unterdrückt.
Ein Lokalanästhetikum wird fast ausschließlich zur Schmerzausschaltung
bei Operationen und zur
Schmerztherapie eingesetzt, eine mißbräuchliche Lokalanästhetikum -Anwendung
ist nicht bekannt, ergibt auch keinen Sinn.
Die wohl bekannteste Anwendung erfolgt in der Zahnheilkunde, der Zahnarzt
spritzt ein Lokalanästhetikum ein, damit er schmerzlos einen Zahn ziehen kann.
Nach seiner chemischen Struktur werden 2
Klassen unterschieden: das mehr historisch bedeutsame Lokalanästhetikum vom
Estertyp, das nur kurz wirkt und eine relativ hohe Allergisierungsquote aufweist
(Procain, Tetracain), und das moderne Lokalanästhetikum vom Amidtyp (Lidocain,
Mepivacain, Bupivacain, Etidocain, Prilocain, Ropivacain).
Zur Schmerztherapie wird heute vorwiegend ein lang wirkendes Lokalanästhetikum
vom Amid-Typ (Bupivacain, Ropivacain, Etidocain) verwendet. Die Wirkzeit beträgt
grob 3-6 Stunden.
Ein mittellang wirksames Lokalanästhetikum (z. B. Mepivacain, Lidocain) wird
eher zu diagnostischen
Nervenblockade
n eingesetzt, wenn eine motorische
(= die Muskeltätigkeit betreffende)
Störung zeitlich eingeschränkt bleiben soll. Die Wirkzeit beträgt ca. 45-90
Minuten.
Das kurz wirkende (ca. 10-20 Min) Lokalanästhetikum Procain vom Estertyp weist
zwar eine höhere Allergierate auf (Aldrete et al. 1970), die toxische
Wirkung ist aber gegenüber den lang wirkenden Substanzen deutlich geringer. Die
höhere Toxizität von z. B. Bupivacain wird jedoch dadurch relativiert, daß die
anästhetische Potenz erheblich über der des Procains liegt, weshalb zur
Erreichung einer vergleichbaren Blockadewirkung eine deutlich geringere Dosis
notwendig ist. Die langwirkenden Substanzen entfalten eine höhere
vasodilatatorische (=
blutgefäßerweiternde) Aktivität, die
besonders in der Schmerztherapie erwünscht ist, weil sie die Durchblutung
fördert.
Im praktischen Gebrauch wird man sich auf je ein mittellang- und lang wirkendes Lokalanästhetikum beschränken und jeweils eine Alternative bei Unverträglichkeit oder Tachyphylaxie (= allmählicher Wirkungsverlust) bereithalten. Wir benutzen als lang wirkendes Standard- Lokalanästhetikum Bupivacain bis 0,5% (in Ausnahmefällen 0,75%) ohne Zusätze, alternativ bei Tachyphylaxie oder Allergie Etidocain bis 1%, das eine etwas stärkere motorische (= die Muskeltätigkeit betreffende) Blockadereaktion aufweist. Als mittellang wirkendes Standardmedikament verwenden wir hauptsächlich Mepivacain, seltener Lidocain oder Prilocain.
Folgende Substanzen stehen zur Verfügung (die Lösungen sind ggf. zur Injektion in 0,9% NaCl zu verdünnen):
Die Wirkung des Lokalanästhetikum `s hängt
hauptsächlich von der Konzentration ab.
Dabei gilt (vereinfacht dargestellt): je dicker die sog. Markscheide
(= die den Nerv einhüllende
Schicht) eines Nerven ist, umso mehr
Wirkstoffmoleküle werden für die Blockade benötigt, wobei die Bereitstellung der
Wirkstoffmoleküle hauptsächlich über die Konzentration erfolgt und nicht übers
Volumen.
Die dickste Markscheide besitzen die motorischen
(= die Muskeltätigkeit
betreffende) Nervenfasern, die sog.
A-Alpha-Motoneurone. Eine deutlich dünnere Markscheide haben Nerven, die für die
Weiterleitung der Sensibilität
(= z.B. Berührungs- oder
Schmerzempfindung) verantwortlich
sind (A- Beta-, Gamma-Neurone). Eine ganz dünne oder keine Nervenscheide
besitzen vegetative
(= das unwillkürliche Nervensystem betreffende)
Nervenfasern (B und C-Fasern).
Das Lokalanästhetikum wird je nach
gewünschter Wirkung dosiert. In der Regionalanästhesie, z.B. zur Operation im
Bereich des Armes, wird das Lokalanästhetikum so dosiert, daß auch die
Muskeln
erschlaffen. In der Regel wird dazu z.B. Carbostesin 0,5 (0,75)% verwendet.
In der
Schmerztherapie ist
die muskelerschlaffende Wirkung nicht erwünscht, weshalb die Konzentration
herabgesetzt wird, z.B. 0,15 bis O,2 % Carbostesin. Die Patienten sollen ja
mobil bleiben, auch damit begleitend physiotherapeutisch behandelt werden kann.
Zur Behandlung von (nicht schmerzhaften)
Durchblutungsstörungen reichen zur Blockade der vegetativen
(= das unwillkürliche Nervensystem betreffenden)
B- und C-Nervenfasern 0,05-0,1% z.B. Bupivacain aus.
Diese Ausführungen machen deutlich, daß bei
Nervenblockaden zur Schmerzausschaltung immer automatisch die vegetativen B-
und C-Fasern mitbetroffen sind, es also sozusagen als (erwünschte) Nebenwirkung
zu einer sehr viel besseren Durchblutung im behandelten Bereich kommt, was jeder
entzündlichen oder auch degenerativen Schmerzursache deutlich entgegenwirkt.
Weitere Informationen zur Wirkungsweise der therapeutischen Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem Lokalanästhetikum) finden Sie hier
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